Metastasen  
             
 

Hochpräzisionsbestrahlung bei Hirnmetastasen

Bei 15 - 30 % aller Krebspatienten treten im Rahmen der Erkrankung symptomatische Hirnmetastasen auf. In 2/3 der Fälle liegen als Grunderkrankung Lungenkarzinome, Brustkarzinome oder maligne Melanome vor. Nierenzellkarzinome und Darmtumoren sind in 5 - 15 % der Fälle als Primärtumor nachweisbar. Hirnmetastasen treten meistens spät im Krankheitsverlauf auf, wenn bereits Metastasen in anderen Organen vorhanden sind. Vor allem beim Lungenkarzinom können Hirnmetastasen erstmals symptomatisch sein. Wenn Hirnmetastasen aufgetreten sind besteht eine deutliche Einschränkung der Lebenserwartung. Wegen dieser eingeschränkten Prognose ist die Erhaltung einer möglichst hohen Lebensqualität ein sehr wichtiges Ziel der Behandlung. Bei besonders auf Chemo- und Radiotherapie empfindlichen Tumoren können durch Ausschöpfung aller Behandlungsmodalitäten heute sehr lange Überlebenszeiten und sogar Heilung erreicht werden.

Bei einem unbekannten Primärtumor oder bei sehr großen Hirnmetastasen, erfolgt zunächst entweder eine Probeentnahme oder eine mikrochirurgische Tumorentfernung. Voraussetzung für die Operation ist ein guter Allgemeinzustand der Patientin oder des Patienten, sowie eine kontrollierte onkologische Grunderkrankung. Eine ergänzende fraktionierte Schädelbestrahlung kann die Entwicklung von lokalen Tumorrezidiven (erneuter Tumorwachstum an gleicher Stelle) verhindern oder verzögern. Es wird ebenfalls angenommen, dass durch die Ganzschädelbestrahlung das Auftreten von neuen Metastasen an anderen Stellen im Gehirn reduziert wird. Wenn der Tumor trotz Operation und Bestrahlung erneut wächst, kann durch eine weitere Operation erneut eine Verlängerung der Lebenserwartung und Verbesserung des funktionellen Zustandes erreicht werden.

Bei Melanomen, Brust- und Lungenkarzinomen können positive Effekte durch eine zusätzliche Chemotherapie erreicht werden. Bei Patienten mit Metastasen in empfindlichen Hirngebieten, oder mit multiplen Hirnmetastasen ebenso wie bei Patienten mit einem erhöhten Operationsrisiko kommt in der Regel aber eine operative Tumorentfernung der Hirnmetastasen nicht in Betracht. In diesen Fällen stellt die radiochirurgische Behandlung oft die einzige effektive und risikoarme Behandlungsalternative dar.

Eine radiochirurgische Behandlung kann fast überall im Gehirn durchgeführt werden. Die Ergebnisse sind dabei unabhängig von der Art der Metastase (Histologie), wie auch weitgehend unabhängig von der Anzahl der Metastasen. Weil die Nebenwirkungsrate vom gesamten Behandlungsvolumen abhängig ist, besteht eine Einschränkung bezüglich der Anzahl und Größe der radiochirurgisch zu behandelnden Tumoren. Als Faustregel gilt derzeit: maximaler Metastasendurchmesser 3,5 cm. Sinnvoll erscheint die Radiochirurgie bei weniger als 4 Metastasen.

Die Nebenwirkungen der Bestrahlung treten in der Regel frühestens 4 -12 Monate nach einer radiochirurgischen Behandlung auf. In 20 % der Fälle zeigt sich bei einer Nachkontrolle im MRT das Kontrastmittel aufnehmende Areal einzelner radiochirurgisch behandelter Metastasen vergrößert. Hierbei kann es sich einerseits um ein verändertes Kontrastmittelverhalten handeln, welches nur selten Beschwerden bereitet, andererseits ist aber auch ein Rezidivtumorwachstum zunächst nicht auszuschließen. In der Regel lassen sich eventuell dadurch auftretende Beschwerden mit Medikamenten (Kortison) behandeln, nur in etwa 1 - 3 % der Fälle tritt eine medikamentös nicht beherrschbare Situation auf, die ggf. zu weiteren Maßnahmen wie einer Operation zwingt. Leider stehen zur Zeit noch keine zuverlässigen nicht invasiven diagnostischen Verfahren zur Verfügung, so dass dann nur eine Probeentnahme zur kurzfristigen Klärung der Diagnose führen kann. Wenn keine Beschwerden vorliegen oder wenn die medikamentöse Therapie erfolgreich ist, wird meist abgewartet und es werden weitere Kontrollen mittels MRT durchgeführt.

Bei Patienten mit einzelnen Hirnmetastasen und ausgewählte Patienten mit mehreren Hirnmetastasen erzielt die lokale Tumorbehandlung mittels Radiochirurgie mit oder ohne ergänzende fraktionierte Ganzschädelbestrahlung eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeit.